Context

Ein bis zwei Mal wöchentlich berichte ich von meinen Ausflügen in die Natur und meiner Suche nach Fährten.

Dabei sind meine Gedanken geprägt von den Weisheiten eines alten Indianers von dem Tom Brown jr. in seinen Büchern berichtet (Grandfather).

Im Bewusstsein, daß unser Umgang mit der Natur so nicht weiter gehen kann, wenn wir unseren Enkeln noch eine Lebensgrundlage bieten wollen, versuche ich meine Sinne für die Natur und einen besseren Umgang mit ihr zu öffnen.

Da Deutsch nicht meine Muttersprache ist, bitte ich meine Rechstschreibfehler zu verzeihen.



Sonntag, 1. Mai 2011

Kreise

Wer Fährtenleser ist oder werden will, wird auch die Tiere dessen Spuren er folgt sehen wollen. Zu sehen wie Tiere Ihre Fährten erzeugen ist sogar einer der besten Wege Fährtenlesen zu lernen. Aber wilde Tiere zu sehen ist schwierig. Einfacher ist es einen Hund oder eine Katze zu beobachten.

Um wilde Tiere zu beobachten muss man erst mal nahe genug heran kommen. Oft ist es ja so, daß sie flüchten bevor wir sie sehen. Warum ist das so?

Man kann zwei Kreise definieren: "circle of disturbance" und "circle of awareness" (also Kreis der Beunruhigung und Kreis der Wahrnehmung). Wir stehen in der Mitte dieser Kreise.

Bei unerfahrenen Menschen ist meist der erste Kreis groß und der zweite klein - d.h. wir Beunruhigen Tiere auch in weiter Entfernung von uns aber nehmen nur Tiere wahr, die in der Nähe sind. Folglich haben scheue Tiere gute Chancen uns zu bemerken und zu flüchten ohne das wir es bemerken.

In dem wir uns bemühen möglichst wenig aufzufallen können wir den "circle of disturbance" verkleinern. Dadurch stören wir weniger Tiere bzw stören sie erst später, wenn wir näher an ihnen sind. Wenn dieser Kreis kleiner als der "circle of awareness" ist, dann bemerken wir die flüchtenden Tiere.

Wir können auch versuchen unsere Wahrnehmung zu verbessern um auch Tiere schon zu bemerken, die noch weiter weg sind. Im Prinzip könnte man die Wahrnehmung so schärfen, daß der Kreis größer ist als der "circle of disturbance" - das heißt unsere Wahrnehung wäre besser als die der wilden Tiere. Nicht ganz einfach!

In der Praxis muss man sowhl versuchen weniger aufzufallen als auch seine Wahrnehung schärfen, also den "circle of disurbance" verkleinern und den "circle of awareness" vergrößern.

Wie gut man darin ist läßt sich leicht feststellen in dem man die Entfernung schätzt aus der Tiere vor einem flüchten. Sieht man immer nur flüchtende Tiere sind die Kreise in etwa gleich groß und entsprichen der Entfernung zum Tier. Sieht man kaum Tiere, ist der erste Kreis größer als der Kreis der Wahrnehmung (aber schlecht zu schätzen). Sieht man Tiere bevor sie flüchten bzw bevor sie einen bemerken ist der erste Kreis kleiner als der Kreis der Wahrnehmung. Der erste Kreis ist dann kleiner als die Entfernung zum Tier, der zweite größer.

Übrigens sind die Kreise je nach Tier unterschiedlich, den sie hängen natürlich auch von der Wahrnehmung der Tiere ab (Geruch, Gehör, Sehvermögen usw) als auch von dessen Erkennbarkeit (wie gut sie sich Tarnen/verstecken, wie unauffällig sie sind).

Je nach Tier heißt Unauffälligkeit etwas anderes. Beim Vogel ist die Windrichtung egal, ein knall-rotes T-Shirt aber auffällig, nicht aber beim Reh (das gut rieht, aber die Farbe rot nicht gut erkennen kann).

Alle Tiere die gut sehen können erkennen vor allem Bewegung. Ich bin schon 20 Meter vor einem Reh gestanden, daß mich direkt angesehen hat aber erst geflüchtet ist als sich der Wind drehte. Hauptsache man stehe absolut still in dem Moment wo das Tier hinschaut. Und dazwischen nur sehr sehr langsam bewegen.

Aber Achtung, die Tiere warnen sich auch untereinander.
Also dann viel Spaß beim Entdecken der Tierwelt!

Dienstag, 8. Februar 2011

Frühlingstemperaturen

Heute habe ich mich schon richtig auf meine Stunde im Wald gefreut. Ein herrlich sonniger, frühlingshafter Tag, der letzte Schnee ist fast weg – es könnte endlich mal wieder etwas gemütlich im Wald werden! Also zeitig von der Arbeit weg um noch die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen. Als ich am Parkplatz ankam wußte ich, daß ich nochmal den Weg mitten in den Wald probieren wollte. Inzwischen wußte ich, daß ich das Brüllen der Rehe letztes Mal vernommen hatte, die dadurch wohl Ihre Artgenossen warnen (und Ihren Ärger äußern?).

Und kaum war ich 200 Meter von Parkplatz, da ertönt von links hinter mir wieder das verärgerte Brüllen eines Rehs. Dieses Mal entdecke ich noch wie es zwischen den Bäumen verschwindet.

Nach einer Weile bin ich an einer offenen Stelle im Wald stehen geblieben, wo die Sonne den Boden wärmte und einige alte liegende Stämme zum Sitzen einluden. An den Fichten hörte ich einen Specht, an einem Baum konnte ich aus der Ferne ein Loch im Stamm erkennen. Zaghaft riefen einige Meisen aus der Ferne. Überhaupt fällt mir auf, wie im Wald die (Sing-)Vögel viel scheuer als im Stadtpark reagieren.

Es fing schon an dunkel zu werden, als ich mich entschied, noch weiter am Weg in den Wald zu laufen, in die Richtung wo ich letztes Mal die Rehe entdeckt hatte. Da ich hoffte dort wieder Rehe anzutreffen, verhielt ich mich möglichst leise je näher ich der Stelle kam. Im leisen Gang hörte ich eindeutig das plötzliche Rascheln der Blätter. Im Stehen meinte ich sogar an mehreren Stellen etwas zu hören. Ich bewegte mich zunächst nicht. Da war etwas! Ich drehte mich nach hinten um, dort war aber nichts zu erkennen. Plötzlich lief ein Reh vor mir, in etwa 80 Meter Entfernung los, schräg nach links weg. Schade, es hatte gesehen wie ich mich umgedreht hatte. Aber ich war sicher, daß nur ein Reh geflüchtet war. Wo waren die anderen? Vorsichtig näherte ich mich dem Rand des Weges. Ich hörte was. Dann sah ich ein zweites Reh. Es war noch recht klein, vielleicht kaum ein Jahr alt. Es sah mich an. Ich: bewegungslos. Dann sah es wieder weg und nippte am Grass. Es war etwa 40 Meter weg. Von der Autobahn dröhnte es herüber. Vielleicht mein Glück. Der leichte Wind kam von vorne, von der Autobahn.

Das Reh kam näher. Mein Puls nun ganz schnell. Schon ruhig bleiben! Nun war es 30 Meter weg, schaute immer wieder zu mir, aber hatte wohl beschlossen, ich sei ein Baumstumpf, oder sowas. Das ging einige Minuten so weiter. Ich überlegte schon wie nah es wohl kommen würde. Plötzlich sah es auf und machte einen Satz. Sah nochmal auf und floh zurück zwischen die Bäume. Ich sah mich um – was hatte es alarmiert? Da war aber nichts. Dann bemerkte ich, daß der Westwind sich gelegt hatte (wie so oft am Abend) und eine leichte Briese von hinter mir über den Weg und den Hang hinunter wehte. Das Reh hatte Witterung von mir bekommen!

Nun war es schon recht dunkel und viel später als ich geplant hatte, ich war schon froh mit diesem Erlebnis den Weg nach Hause antreten zu können.

Freitag, 14. Januar 2011

Schrei in der Nacht

Seit einigen Tagen bin ich in einem neuen Waldstück unterwegs. Ein bisschen unheimlich weil ich mich dort nicht auskenne und es recht schnell dunkel wird.

Nachdem ich zunächst am Waldrand einige Zeit in Stille verbracht hatte um ein Gefühl für die neue Umgebung zu bekommen, bin ich gestern einem Weg tiefer in den Wald gefolgt. Solange ich mich nicht genau auskenne, halte ich mich an die Wege (um nicht von einem Jäger ins Visier genommen zu werden). Bei den Lichtverhältnissen ist man ja schlecht zu erkennen. Ich wollte vor allem entdecken, ob ich in der Gegend einen Bachlauf aufspüren konnte.

Da noch etwas Schnee an den schattigen Stellen am Weg lag, konnte ich sehen, dass vor mir schon Leute (mit Hund) diesen Weg genommen hatten – zumindest eine Spur war wohl schätzungsweise nicht mehr als ein Tag alt angesichts der erkennbaren Details. Der Weg führte geradlinig mitten in den Wald. Nach einer Zeit konnte ich auch schon die Autobahn auf der anderen Waldseite vernehmen. Ich kam an eine landschaftlich interessante Stelle: links ein sich öffnendes Tal und rechts eine kraterähnliche Vertiefung. Das Tal war Großteils noch mit Schnee bedeckt in dem relativ niedrige junge Bäume wuchsen. Ich blieb stehen und suchte nach einem Bach oder See, konnte aber nichts erkennen. An einer Stelle erkannte ich etwas geformt wie der Kopf und Hals eines Rehs. Nach einigen Sekunden bewegte es sich! Es war ein großer Rehbock, etwa 250m entfernt. Er hatte mich auch gesehen, konnte aber wegen dem Westwind mich nicht wittern und in dem Licht vielleicht auch nicht gut erkennen. Ich bewegte mich nicht. Er kam vorsichtig aus der Deckung und stapfte durch den tiefen Schnee. Dann war er hinter einigen Bäumen nicht mehr zu sehen.

Während ich auf sein Wiedererscheinen wartete, überraschte mich plötzlich von hinten eine Art kreischendes Gebrüll, das mir durch Mark und Knochen fuhr. Ich musste sofort an Tom Brown jr und die wilden Hunde denken, oder war es ein Jäger mit Hund? Aber es klang heller und kreischender. Ich wusste nicht was es war, für mich klang es aggressiv und ich machte mich schnell auf den Rückweg. Sobald ich wieder im Schatten des Waldes war bemerkte ich, dass es fast stockduster geworden war. Ich erkannte einige Äste am Boden und suchte mir einen großen Prügel zur Verteidigung. Dann immer wieder zurück blickend schleunigst Richtung Ausgang. Dabei überraschte ich zwei weitere Rehe, die sich galoppierend aus dem Staub machten. Immer noch etwas angespannt erreichte ich ohne weitere Vorkommnisse den Waldrand.

Inzwischen habe ich gelesen, dass um die Jahreszeit (Januar/Februar) die Füchse bellen um einen Partner für die Paarung zu finden. Wow, was für ein Abend!

Montag, 3. Januar 2011

Spuren im verschneiten Wald

Neulich bin ich mit meinem Sohn in den Wald um nach unserer Laubhütte zu schauen. Wir hatten am zweiten Weihnachtsfeiertag Körner (vom Vogelfutter) hinein gelegt und waren gespannt ob Maus oder Vogel davon gegessen hatten. In der verschneiten Landschaft war ich mir gar nicht sicher ob die Hütte nicht vom Schnee eingedrückt worden war.
Aber die Hütte stand noch und wir fanden sie schnell. Das Futter war unberührt und wir fanden auch keine Spuren unmittelbar am Eingang. Aber es gab jede Menge Spuren hinter der Hütte und überhaupt im Wald. Julian war recht neugierig und wir folgten einer Spur weiter ins Waldesinnere, die sich schnell als Rehspur herausstellte – an einigen Stellen war der Abdruck gut zu erkennen. Immer wieder kreuzten auch Hasenspuren unseren Weg. Außer diesen Spuren gab es auch noch andere aber ohne deutlichen Abdruck. Ich war völlig verblüfft, als wir einen Jägerstand mitten im Wald fanden. Bei uns habe ich Jägerstände bisher immer nur am Waldrand oder an Lichtungen im Wald gefunden. Zum Glück war er momentan verlassen!
Wir folgten den Spuren weiter und kamen an drei umgestürzte Fichten, deren riesiger Wurzelteller weit in die Luft ragte. Dann führten die Spuren zu einem kleinen Bach. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass es sich um den Bach handeln musste, der später auf den Hauptweg trifft.


Einige Tage später fand ich an dieser Stelle am Bach Blutspuren im Schnee und Fuchslosung. Ich fand keine Spuren einer Beute – es ist auch nicht sicher ob der Fuchs hier etwas gefangen hatte, oder das Blut von früher stammt. Aber vielleicht hat der Fuchs ja auch an der Stelle eine Maus oder etwas ähnlich Großes gefangen.


Wir gingen noch am Bach entlang und sahen zunächst einen Zaunkönig am Wasser und dann einige Spechte in der Ferne (konnte ich aber gegen das Licht und aus der Entfernung nicht näher identifizieren).
Die vielen Spuren, die ich derzeit im Schnee finde haben mich ermuntert nun doch mal mit dem ausmessen dieser zu beginnen und mit der Fachliteratur zu vergleichen. Als nächstes muss ich mir einen Fährtenstab anlegen.
Vor allem kann man derzeit im Wald schön die Pfade sehen, die Tiere regelmäßig verwenden und wo sie sich vorwiegend aufhalten. Das Wissen kann ich hoffentlich auch nutzen wenn der Schnee weg ist um gezielt nach Fährten auf diesen Pfaden zu suchen.

Samstag, 25. Dezember 2010

Spuren des Winters

Der Schnee bietet wunderbare Möglichkeiten der Spurenentdeckung. Es ist zwar manchmal schwierig die Tiere zu identifizieren, welche die Spuren hinterlassen haben, aber dafür ist es sehr einfach zu erkennen welche Wege die Tiere, z.B. durch den Wald einschlagen. Oder man weiß durch Beobachtung, welche Tiere die Spuren hinterlassen. Im Garten kann ich nun z.B. wunderbar den tägliche Gang der Katzen verfolgen. Unter ein Foto einer Spur die am Zaun endet. Die Katze sprang hier auf und über den Zaun, was man auch gut durch den fehlenden Schnee an einer Stelle der Zaunlatte erkennen konnte. Im Foto sieht man schön die vier Pfotenabdrücke und wie die hinteren durch den Sprung stärker in den Schnee gedrückt sind.

Auch die Vogelspuren lassen sich z.B. am Futterhäuschen schön beobachten.
Neulich lief in der Tiefgarage ein Taube vor mir im Schnee und hinterließ diese schöne Spur. Wie bei vielen großen Vögeln setzt sie einen Fuß vor den anderen.


Dienstag, 7. Dezember 2010

Vor einiger Zeit hatte ich endlich mal Gelegenheit den ganzen Tag im Wald zu verbringen. Ohne Hektik und Beschränkung einfach nur wonach einem ist im Wald erkunden! Im Morgengrauen brach ich also auf, nachdem ich am Abend vorher einen Minirucksack mit einer Thermos-Kanne, einem Poncho, einem großen Müllsack, einer kleine Brotzeit und einigen Snacks, Feuerzeug und Spirituskocher, plus eine Flasche Apfelschorle, mein Messer und meine unfertige Holzschale zum Schnitzen einpackte. Der Wetterbericht war 30% Regenwahrscheinlichkeit und es war wolkig und kühl. Dennoch war es zunächst trocken. Ich zog meine regenfesten Wanderstiefel an und marschierte nach dem Frühstück los.

Ich hatte noch keine rechte Ahnung wo ich mein Lager einrichten würde – aber wegen dem Wetter wusste ich, ich sollte mich um Regenschutz kümmern. Ich nahm den weniger benutzen Weg in den Wald, denn ich wollte nicht ständig Wanderern und Hunden begegnen, sondern möglichst ungestört den Wald für mich entdecken können. Ich entschloss mich eine Stelle aufzusuchen, die ich kannte, mit Blick über unserem Bach, wo höchstens auf dem anderen Ufer, ab und zu Wanderer auftauchen – bei dem Wetter aber eher unwahrscheinlich. Noch bevor ich die Stelle erreichte entdeckte ich wieder mal einen Trampelpfad durchs Gras, welches entlang einer schmalen Schneise am Waldboden wuchs. Da ich ja Zeit hatte, folgte ich dem Pfad und entdeckte eine Ruhe- oder Schlafstelle, vermutlich zweier Rehe. Leider sah ich aber keine eindeutigen Spuren, weder Haare, Fußabdrücke, noch Losung.

Plötzlich hörte ich ein Auto. Es muss wohl den Waldweg hinter mir entlang gefahren sein. Das Auto blieb stehen und der Motor ging aus. Ich hörte zwei Stimmen, konnte den Wagen aber nicht sehen. Dann fuhr das Auto weiter. Ich bemühte mich zu Hören ob einer ausgestiegen war und hörte nach einigen Minuten Schritte. Ich duckte mich zwischen die Bäume und lauschte. Die Schritte kamen schnell näher und ich hörte das Klappern der Stöcke zweier Walkerinnen. Schnell waren auch die den Waldweg entlang wieder verschwunden. Danach war es wieder still.

Nach einer kurzen Pause folgte ich dem Trampelpfad weiter und kam zu einem Wald am Hang, wo sich die Spuren verliefen. Ich wanderte noch etwas hin und her und trat leider einige Male etwas unvorsichtig auf kleine am Boden versteckte Äste, die mich lautstark im Wald verrieten. Aus einer Augenecke sah ich dann zwei weiße „Etwas“ in der Entfernung auf und ab hoppeln – es dauerte einige Sekunden bis ich die beiden flüchtenden Rehe erkannte. Schade, dass ich sie nicht vorher bemerkt hatte. Wieder einmal war mein Wirkungskreis größer als mein Wahrnehmungskreis! Jetzt hatte ich aber viel zu lange diesem Trampelpfad gefolgt! Schnell zurück zu meinem Ziel um das Lager aufzuschlagen. Zum Glück war es nicht weit.

Als ich an kam hatte ich Hunger, also erst mal einen Snack ausgepackt und sich ein bisschen umschauen. Und schon fing es zu tröpfeln an! Tja, jetzt musste es schnell gehen. Grandfathers Regel war sich zuerst um den Wetterschutz kümmern. Hätte ich doch nur früher angefangen! Aber noch war Zeit. Am wichtigsten erst mal eine geeignete Stelle finden. Nach vielleicht 5 Minuten entdeckte ich eine umgestürzte junge Fichte, deren Stamm etwas 50cm über dem Boden durch einige vertrocknete Äste gestützt wurde. Schnell fand ich weitere Äste zum zeltartigen Aufschichten beiderseits des Stamms. Jetzt Blätter sammeln – davon gab es genug, aber sie waren durch den Regen schon ein bisschen Nass. Es half nichts – mit den Armen trug ich möglichst viele Blätter zum „Zelt“ und baute meine Laubhütte. Irgendwann wurde der Regen stärker und ich beschloss den Kompromiss ein zu gehen jetzt in die Laubhütte zu kriechen, die zwar nicht ewig dicht halten würde, weil Laub fehlte, aber ich wenigstens auch nicht weiter im Regen stehen musste. Ich zog mir den Müllsack über die Hose und den Poncho über die Schultern für den Fall, dass doch Regen durchtropft, und krabbelte in die Laubhütte.

Etwa eine Stunde lag ich eigentlich ganz gemütlich und schaute dem Regen zu, wie er auf dem Laub am Waldboden spritze. Von der Arbeit war mir zunächst recht warm. Nach einer Stunde stellte ich dann fest, dass mein Poncho von Innen nass war! Noch eine halbe Stunde hielt ich es aus, dann war mir zu kühl. Es hatte mittlerweile der Regen wieder nachgelassen, tröpfelte aber immer noch. Egal. Ich kroch aus dem „Zelt“ und setzte mich an einen Baumstamm und trank einige warme Tassen Tee aus meiner Thermoskanne.

Nachdem mir wieder warm war kam mir die Idee etwas Regen zu sammeln um neuen Tee zu kochen. Ich nahm den Müllsack und krempelte ihn innen nach außen (dort war er noch sauber) und mittels einiger Äste versuchte ich eine Art Trichter zu bauen. Da drunter stellte ich eine leere Dose die ich dabei hatte. Jetzt hieß es abwarten.

Ich stellte fest, dass an einigen Stellen kaum Regen den Boden erreichte und stellte meinen Trichter entsprechend an eine nasse Stelle, mich selber dagegen an einen Baumstamm wo der Boden fast trocken erschien. Das funktionierte ganz gut. Während ich wartete, dass sich die Dose füllt, holte ich mein Messer und schnitze an meiner Schale, die anfangs noch ziemlich nach Holzklotz aussah. Durch das Schnitzen wurde mir warm und ich war gut beschäftigt. Ja es machte sogar Spaß, denn ich kam mit meinem Messer immer besser zurecht. Kaum waren wieder ein bis eineinhalb Stunden vergangen.

Das mit dem Trichter hat leider nicht so gut funktioniert, die Regentropfen spritzen beim Aufschlagen auf die Folie in alle Richtungen und es blieb nur wenig in der Dose. Egal, es hatte endlich aufgehört zu Regnen und ich erkundete die Gegend am Bachufer.

Ich fand eine schöne Stelle mit kiesigem Ufer, von wo aus ich ans Wasser konnte. Auf dem Kies fand ich keine Spuren, aber eine schöne Schale einer großen Süsswassermuschel. Und am Uferrand fand ich eine Stelle mit Fußabdrücken und Kot – vielleicht von einem Fuchs? Die Abdrücke waren recht unklar, auf jeden Fall habe ich ein Foto gemacht.

Auch Biberfrasspuren fanden sich an einigen Bäumen.

Ich beschloss nun doch langsam den Heimweg anzutreten, bedankte mich bei den Bäumen für den Schutz Ihrer Blätter und Äste und packte zusammen. Entlang des Bachs lief ich dann gemütlich nach Hause und lies den Walderkundungstag ausklingen. Irgendwie fühlte der Wald sich schon ein bisschen heimeliger an!

Freitag, 26. November 2010

Der erste Schnee

Heute liegt das erste Mal diesen Winter eine dünne geschlossene Schneedecke am Boden. Ich warte schon einige Zeit darauf in der Hoffnung den Spuren folgen zu können. Die Erkennung der Fußspuren im Schnee dürfte aber wegen der unscharfen Abdrücke schwierig sein.

Vielleicht war wegen dem aufkommenden Schnee auch gestern im Stadtpark wieder so viel Aktivität unter den Vögeln. Schon am Übergang in den Park stieß ich gleich auf einige Eichelhäher, die die Blätter am Boden nach Nahrung durchwühlten. Witzig wie sie mit Schwung mit dem Schnabel einige Blätter in die Luft warfen. Sie nahmen von mir kaum Notiz. Ich war stehen geblieben und ging nun ganz langsam etwas weiter den Weg entlang. Auch ein rotes Eichhörnchen lief am Boden und suchte nach etwas Essbarem. Das störte aber die Eichhäher nicht besonders! Einer der Vögel krächzte ganz leise und dezent. Die sind hier Menschen gewohnt. Etliche Meisen schwirrten ebenfalls auf den Ästen umeinander, auch einige ab und zu am Boden suchend, die meisten aber die Rinde der Äste und Stämme prüfend.

Ich ging trotzdem langsam weiter und folgte einem Weg der an einigen Kiefern vorbei führte. Wieder vernahm ich das Piepsen der Meisen in den Bäumen. Aber plötzlich landete ein ganz unbekanntes Kerlchen auf einem Ast etwas über meinem Kopf. Er benahm sich wie eine Meise, hatte aber ein sehr helles, fast weißes Federkleid, vor allem am Kopf, braune Flügel und einen längeren Schwanz als eine Blaumeise, war aber etwa so groß wie Letztere. Auch er flog in einem kleinen Trupp seinesgleichen durch die Fichten am linken Wegrand. Am Kopf meine ich einen dunklen Fleck oder Streifen auf den ansonsten fast weißen Federn erkannt zu haben. An einem Stamm etwas weiter vor mir sah ich dann noch einen Kleiber auf und ab klettern und in der Ferne am Rand einer Wiese waren wieder Eichelhäher am Boden.

Ich war überwältigt von der Aktivität der Tiere – und ich mittendrin!

Nachdem ich lange stehe geblieben war und dann die weißen Meisen weitergezogen waren nahm ich einen Weg der wieder aus dem Park herausführte. Auf den Rückweg fand ich noch eine schöne große Rabenfeder auf dem Bürgersteig.

Als erstes habe ich dann natürlich in der Literatur die unbekannte Meise gesucht. Allerdings bin ich zu keinem eindeutigen Schluss gekommen. Vielleicht muss ja doch mal ein umfangreiches Vogelbuch her! Vom aussehen hätte ich vielleicht auf Bartmeise getippt, nur dass diese im Schilf wohnt. Evtl. kommt auch eine Lasurmeise in Frage? Die leben hauptsächlich in Asien (etwa östlich von Moskau) aber es verirren sich immer wieder welche nach Mitteleuropa.